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Stellungnahme des Vorstandes des Nationalen Zentrums für Plasmamedizin e.V. (NZPM) zu Möglichkeiten und Grenzen der Plasmamedizin

Plasmamedizin ist ein neues Forschungsgebiet an der Schnittstelle von Plasmaphysik und Lebenswissenschaften, das sich mit der medizinischen Nutzung physikalischer Plasmen befasst. Dabei konzentriert sich die Plasmamedizin hauptsächlich auf die Nutzung sogenannter kalter Atmosphärendruckplasmen (cold atmospheric plasma – CAP), die in ihrer Anwendungstemperatur unter 40°C bleiben.

Die Erzeugung kalter Atmosphärendruckplasmen für medizinische Anwendungen kann vereinfacht in drei Schritten zusammengefasst werden:

  1. Mittels Zufuhr elektrischer Energie (z.B. hochfrequente Wechselspannung im Kilovolt-Bereich) zu Gasen (Argon, Helium, Sauerstoff, Stickstoff, Luft oder Mischungen daraus) kommt es zur Anregung/Ionisierung der Gasatome bzw. –moleküle, wobei die Plasmatemperatur bei Kontakt mit dem lebenden System üblicherweise 40°C nicht überschreiten sollte.
  2. Durch weitere Wechselwirkungen dieser angeregten (und ionisierten) Atome bzw. Moleküle miteinander sowie mit angrenzenden Medien (vor allem atmosphärische Luft, aber auch Flüssigkeiten und Oberflächen) werden reaktive Spezies mit biologischem Wirkpotential gebildet.
  3. Im Zusammenhang mit der Anregung von Gasatomen bzw. –molekülen kommt es zur Emission von elektromagnetischer Strahlung, insbesondere UV-Strahlung und sichtbarem Licht.

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Damit liegt ein "Cocktail" wirksamer Bestandteile vor, der grundsätzlich in seiner Gesamtheit die medizinisch nutzbare biologische Wirksamkeit von kaltem Atmosphärendruckplasma ausmacht, wenn auch einzelnen Komponenten eine besondere und potentiell variierbare Dominanz zuzuschreiben ist. Die Wirkung kalter Atmosphärendruckplasmen wird nicht über thermische Effekte vermittelt! Gegenwärtig werden für medizinische Anwendungen vor allem zwei Plasmaeffekte genutzt:

  • die effektive Inaktivierung von Mikroorgansimen, die auch multiresistente Krankheitserreger einschließt;
  • die Stimulation der Zellproliferation und daraus resultierende Regeneration zerstörter Gewebeverbände.


Dementsprechend werden kalte Atmosphärendruckplasmen bisher vor allem erfolgreich in der Therapie schlecht heilender und chronischer Wunden, zur Behandlung erregerbedingter Hauterkrankungen sowie zur Behandlung mikrobiell infizierter Haut-, Schleimhaut-, Wund- und Tumoroberflächen eingesetzt.

Eine weitere Eigenschaft kalter Atmosphärendruckplasmen, Krebszellen abzutöten, ist Gegenstand intensiver internationaler Forschung, ist aber gegenwärtig noch nicht als Therapieoption verfügbar.

Von der Plasmamedizin im dargestellten Sinne zu unterscheiden sind die seit Jahren etablierten plasmabasierten Verfahren in der Elektro-oder HF-Chirurgie. Dazu gehört beispielsweise die Argon-Plasmakoagulation. Hierbei handelt es sich um thermische Hochfrequenzverfahren, die eine Koagulation von Gewebe verursachen und zur Versiegelung und Abtragung sowie zum Schneiden von Gewebe (Kauterisation) eingesetzt werden.

Ebenfalls von der eigentlichen Plasmamedizin abzugrenzen sind Plasmaanwendungen in der Kosmetik.

Von entsprechenden Anbietern dargestellte Einsatzgebiete zur Faltenbehandlung und Hautregeneration (skin resurfacing) beruhen nach dem aktuellen Kenntnisstand ebenfalls auf über Plasma bei Atmosphärendruck vermittelten thermischen Effekten. Damit sind entsprechende 2 Plasmageräte nicht ohne weiteres den kalten Atmosphärendruckplasmen zuzuordnen und damit angebotene Behandlungen nicht automatisch der Plasmamedizin zuzuordnen. Für plasmamedizinische Therapien sollten selbstverständlich nur Geräte verwendet werden, die als Medizinprodukte (üblicherweise der Klasse IIa) für entsprechende Zweckbestimmungen zertifiziert sind.

Darüber hinaus wird empfohlen, nur Geräte einzusetzen, deren Wirksamkeit und Anwendungssicherheit auf der Basis wissenschaftlicher Untersuchungen nachgewiesen und transparent dokumentiert ist. Da dies bei verschiedenen Anbietern nicht immer eindeutig nachzuvollziehen ist, wird hier besondere Sorgfalt und im Zweifelsfall die Inanspruchnahme von Beratung empfohlen.

Gegenwärtig treffen diese Voraussetzungen insbesondere auf folgende Kaltplasmageräte zu:

  • kINPen MED, neoplas tools GmbH, Greifswald, Deutschland
  • PlasmaDerm, CINOGY GmbH, Duderstadt, Deutschland
  • Adtec SteriPlas, Adtec Healthcare, Hounslow, UK


Alle drei Geräte haben ihren Wert als innovative Werkzeuge in der Medizin bei der erfolgreichen Anwendung vor allem auf dem Gebiet der chronischer Wundheilung unter Beweis gestellt. Die großen Fortschritte in der Plasmamedizin bewirken eine zunehmende Sichtbarkeit auch in den Medien und rufen eine Reihe von Anbietern auf den Plan, die für Plasmageräte und entsprechende Therapien unter der Bezeichnung Plasmamedizin werben.

Forscher, Geräteentwickler und medizinische Anwender sollten eine gemeinsame Verantwortung dafür übernehmen, dass die medizinische Anwendung kalter Atmosphärendruckplasmen konsequent nur auf solider wissenschaftlicher Basis erfolgt, um die damit verbundenen Chancen dem Wohl der Patienten zugutekommen zu lassen.

Download: Stellungnahme

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Kontakt

Nationales Zentrums für Plasmamedizin e.V.:
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstr. 58/59
10117 Berlin

Vorstandsvorsitzender des 
Nationalen Zentrums für Plasmamedizin e.V.:

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Hans-Robert Metelmann

E-Mail: info@plasma-medizin.de
E-Mail: assistenz@nzpm.de